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IG BAU warnt vor Fachkräfte-Krise

Zahl der Gesellenprüfungen in Hamburg geht um 16 Prozent zurück

Handwerksberufe wie der Eisenflechter (Foto) könnten bald echte Nachwuchs-Probleme bekommen. Davor warnt jetzt die IG BAU und fordert die Arbeitgeber auf, die Bauberufe attraktiver zu machen (Foto: IG BAU).
Handwerksberufe wie der Eisenflechter (Foto) könnten bald echte Nachwuchs-Probleme bekommen. Davor warnt jetzt die IG BAU und fordert die Arbeitgeber auf, die Bauberufe attraktiver zu machen (Foto: IG BAU).
14.03.2017
Das Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Aber gilt das auch für die Zukunft? Angesichts einer zunehmenden „Akademisierung“ hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) vor einer Fachkräfte-Krise für Handwerksbetriebe in der Hansestadt gewarnt. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Handwerkskammer Hamburg: In deren Bereich legten im vorletzten Jahr lediglich rund 2.080 Auszubildende eine Abschlussprüfung ab – zehn Jahre zuvor waren es noch 2.470.

Für die IG BAU ein besorgniserregenden Trend: „Immer mehr Schulabgänger gehen lieber an die Uni statt in einen Handwerksbetrieb“, sagt Bezirkschef Matthias Maurer. Dabei biete etwa die Baubranche in Hamburg gute Verdienstmöglichkeiten und eine lange „Karriere-Leiter“. Per Aufstiegsfortbildung könne man es bis zum Geprüften Polier oder Bauleiter bringen – und dann sogar mehr verdienen als viele Architekten. „Sei schlau, geh zum Bau – dieser Tipp gilt nach wie vor“, so Maurer.

Auch bei der Ausbildungsentscheidung sei die Bezahlung nach wie vor ein Argument für den Bau: "Im ersten Lehrjahr geht ein angehender Maurer oder Straßenbauer mit 755 Euro pro Monat nach Hause", erklärt Maurer, "im dritten Ausbildungsjahr sind es sogar 1.400 Euro". Damit sind Bau-Azubis laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Schnitt die Bestverdiener unter allen Auszubildenden. „Wer aber Fachkräfte in der Branche halten will, muss auch im Anschluss etwas tun. Der Einkommensabstand zwischen Industrie und Handwerk vergrößert sich seit Jahrzehnten“, betont Maurer. Die Rahmenbedingungen am Bau müssten darum entsprechend denen in der Industrie angeglichen werden.

Nach Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) waren im vergangenen Oktober nur 448 Bau-Azubis in der Stadt gemeldet. „Damit steht der Bau besser da als viele andere Handwerksbereiche. Trotzdem: Jeder zusätzliche Azubi wird gebraucht“, sagt der Gewerkschafter – „besonders in Zeiten einer deutlich anziehenden Baukonjunktur.“ Zudem werde der Fachkräftebedarf angesichts geburtenschwacher Jahrgänge in den 90er Jahren weiter steigen.

Mehr Schulabgänger werde man nur gewinnen, wenn sich neben dem Einkommen auch die Arbeitsbedingungen und das Image der Branche verbesserten, ist die IG BAU überzeugt. Hier seien vor allem die Arbeitgeber gefordert. „Beim Bau denken viele an extremes Malochen. Doch in den letzten Jahren hat sich viel getan. Maschinen und digitale Technik erleichtern das Arbeiten“, sagt Maurer. Und wer auf dem Bau arbeite, komme auch herum und lerne das Land kennen. Bei der Arbeit auf auswärtigen Baustellen müsse der Chef mittlerweile auch die Unterkunft stellen und bezahlen. Maurer: „Dennoch bleibt viel zu tun, um die Bauwirtschaft noch attraktiver zu machen. Höhere Arbeitsstandards sind eine Investition in die Zukunft.

Für die IG BAU Hamburg steht fest: „Je besser die Perspektiven am Bau, desto eher werden wir die Leute halten. Das Handwerk hat – nach wie vor – goldenen Boden. Wenn wir irgendwann eine Bachelor-Schwemme und einen Handwerker-Mangel haben, dann ist keinem geholfen.“ Die Folgen hiervon würden vor allem die Bürger spüren – durch höhere Preise beim Bauen und Renovieren.

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